Da bin ich nur eingeschränkt aussagefähig. Ich habe noch nie eine Diät zur Gewichtsreduktion gebraucht, bei 79 kg auf 180 cm. Insofern habe ich keine eigenen Erfahrungen mit Trennkost, FdH und wie sie alle heissen.
Ich finde vom wissenschaftlichen Ansatz her nur eine einzige Ernährungsform logisch und durchdacht und daher empfehlenswert: die sogenannte "Steinzeitdiät" (selber mal googeln).
Die Logik hinter der Steinzeitdiät ist ungefähr wie folgt:
Vor rund zwei Millionen Jahren streiften unsere ersten Urahnen durch die Steppen und Wälder und ernährten sich von allem, was sie so fanden und erjagen konnten. Das waren Wurzeln, Früchte, Beeren, Nagetiere, vielleicht mal eine Antilope, ein wenig Aas, essbare Pflanzen, Nüsse, Pilze, Muscheln, anderes Meeresgetier, ein bisschen Honig undsoweiter.
Diese Lebensmittel waren also zwei Millionen Jahre lang die ausschliesslichen Nahrungsmittel der Menschheit, und der menschliche Körper hat sich rund 100.000 Generationen lang an diese Nahrung angepasst. Sie war sehr reich an Ballaststoffen, halbwegs ausreichend reich an Eiweiss und langsam verdaulichen Kohlenhydraten und sehr arm an schnellverdaulichen Kohlenhydraten.
Und jetzt der springende Punkt: bis vor einigen Hundert bis 3000 Jahren (also nix im Vergleich zu den zwei Millionen Jahren Menschwerdung) hat die Menschheit keinerlei schnellverdauliche Kohlenhydrate gekannt. Diese stammen in der modernen Ernährung im wesentlichen aus den modernen Zuchten von Reis, Mais, Weizen, Roggen, Hirse. All diese Getreide sind eigentlich nichts anderes als "Grassamen". Sie waren enorm hilfreich für die Ernährung der wachsenden Menschheit. Ohne Getreide könnte unser Planet wahrscheinlich nicht 6 Milliarden, sondern höchstens 1 Milliarde Menschen ernähren. ABER: der menschliche Körper ist nach den Verfechtern der Steinzeitdiät gar nicht in der Lage, mit den grossen Mengen an schnellverdaulichen Kohlenhydraten aus der in dem Getreide enthaltenen Stärke zurecht zu kommen. Noch verschlimmert wurde das Problem, als vor nur rund hundert Jahren sich das sogenannte Weissmehl durchzusetzen begann. Gegenüber dem Vollkornmehl ist das nämlich noch schneller verdaulich, und es ist angenehmer zu essen, also isst man mehr Weissbrot als Vollkornbrot.
Im Körper passiert nämlich folgendes: die schnellverdaulichen Kohlenhydrate werden im Dünndarm schnell und vollständig in ihren Grundbestandteil Glukose (Traubenzucker) gespalten, der sofort in den Blutstrom aufgenommen wird. Das regt wiederum die Bauchspeicheldrüse an, Insulin in den Blutstrom auszuschütten, was über verschiedenen Mechanismen den "Blutzucker"-Spiegel wieder senken soll. Es gibt nun mehr und mehr Hinweise darauf, dass die Bauchspeicheldrüse im Laufe der Zeit buchstäblich "ausleiert" und irgendwann nicht mehr in der Lage ist, diese hohe Mengen an Insulin tagtäglich mehrmals auszuschütten. Das ist dann Diabetes Typ II, gefolgt vom "Metabolischen Syndrom" und dann gefolgt von vielen diabetestypischen Leiden wie schlechtheilende Wunden, Übergewicht, Schwindel undsoweiter.
Das Argument der Steinzeit-Fans ist nun, dass der menschliche Körper eben über zwei Millionen Jahre lang niemals mit einer solch hohen Menge an schnellverdaulichen Kohlenhydraten aus "Grassamen" konfrontiert war und Mutter Natur in ihrer Weisheit die Bauchspeicheldrüse daher auch nicht auf solch hohe Insulinproduktion ausgelegt hat. Die Bauchspeicheldrüse verschleisst daher vorzeitig und gibt - je nach individueller Widerstandsfähigkeit und Ernährungsweise - irgendwann den Dienst auf. Früher kannte man Diabetes Typ II als "Altersdiabetes" - jetzt kommen schon unter 20jährige mit Altersdiabetes zum Arzt!
Gravierend beschleunigt wird die Bauchspeicheldrüsenzerstörung vermutlich von einer anderen wichtigen Quelle von schnellverdaulichen Kohlenhydraten: dem Weisszucker aus Rüben oder Zuckerrohr. Ein Liter Cola, Fanta oder anderen Softdrinks liefert rund 80 Gramm reinen Zucker - soviel bekam unser Urahn wahrscheinlich in einer ganzen Woche nicht vor die Kauleiste !
Die Steinzeitdiät versucht nun, alle Zutaten und Lebensmittel auszuschliessen, die erst in der jungen und jüngsten Vergangenheit auf den menschlichen Speiseplan kamen:
* schnellverdauliche Kohlenhydrate aus allen Getreiden: Mehl, Pasta, Brot, Müsli sowie Kartoffeln (letztere kamen auch erst vor 300 Jahren nach Europa!)
* schnellverdauliche Kohlenhydrate aus Zucker
* Milchprodukte (Milchverzehr kennt die Menschheit erst seit rund 3.000 Jahren)
* Hülsenfrüchte (kennt die Menschheit erst seit rund 3.000 Jahren)
* und viele andere Produkte, die nicht "gejagt" oder "gesammelt" sind
Es bleiben übrig:
* mageres Fleisch
* Wurzeln, Kräuter und Gemüse
* Früchte und Beeren
* Nüsse
* Fisch und Meeresfrüchte
* Esskastanien
* und einiges andere mehr
Den Verzicht auf Milchprodukte und Hülsenfrüchte finde ich ein wenig zu extrem. Wer Milchprodukte gut verträgt und von Hülsenfrüchten keine unheilbare Puperei kriegt, der sollte sie essen. Ich finde den Verzicht auf schnellverdauliche Kohlenhydrate am sinnvollsten.
Das Problem an der Steinzeitdiät in Verbindung mit unserer Forderung nach billigstmöglicher Ernährung ist das magere Fleisch. Wildfleisch als "Original-Steinzeit-Zutat" ist eine rare und teure Delikatesse, das nächstbeste wäre dann Rindfleisch, was ebenfalls eine Menge Geld kostet. Wir brauchen eine gute Quelle von Eiweiss in unserer Billig&Gesund-Ernährung. Fleisch kann aus Kostengründen nur ab und zu auf den Speiseplan kommen. Als hervorragende Eiweissquelle und sehr guter Sättiger müssen wir daher Hülsenfrüchte verwenden.
Dazu später noch viel mehr.
Viele werden sagen, dass ein Speiseplan ohne Brot, Nudeln, Kartoffeln, Pommes, Spätzle, Reis, Polenta etc unmöglich und viel zu langweilig ist. Dachte ich auch. Ich hab's ausprobiert (und gleich ein paar Kilo verloren und nicht wiederbekommen). Der Jieper auf Teigwaren etc. geht nach ein, zwei Wochen vorbei und kommt gar nicht wieder. Und das beste daran ist, dass die statt dessen gegessenen Lebensmittel (vor allem Hülsenfrüchte) bei gleicher Kalorienanzahl viel viel besser und dauerhafter sättigen als ein Frühstück mit Brot und Müsli oder ein Teller Spaghetti zum Mittagessen.
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